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Das Epitaph. Wert der historischen Quelle für die chinesischen Kampfkünste

Christian Weinert
07.09.2012
Symposium für Kampfkunst und Kampfsport Hamburg 2012(WiSe 12/13)

Wenn man die Geschichte der chinesischen Kampfkünste erforscht, trifft man bald auf das Epitaph für Wang Zhengnan von Huang Zongxi (1610-1695), das oft als Grundlage für die Gründung einer ‚Inneren Schule’ der chinesischen Kampfkünste durch den Daoisten Zhang Sanfeng und die an- schließende Trennung der Kampfkünste in eine ‚Innere’ und eine ‚Äußere’ Tradition zitiert wird.
Dabei wird das Epitaph ohne kritische Betrachtung als Quelle für die chinesischen Kampfkünste herangezogen und verwendet.
Betrachtet man allerdings das Epitaph im Kontext von Huang Zongxis Leben und Arbeit, sowie die Belastbarkeit als Quelle für die chinesischen Kampfkünste, so bietet sich ein anderes Bild.
Das Epitaph erzählt über das Leben von Wang Zhengnan, einem loyalen Anhänger der Südlichen Ming-Dynastie (1644-1661), der in Zhejiang auf der Seite von der Ming Loyalisten, unter denen sich auch Huang Zongxi befand, gegen die Mandschu kämpft. Wang Zhengnan Lebensweg und die Entscheidungen, die er treffen musste, ähnelten denen von Huang Zongxi. Daher entschloss sich der berühmte Gelehrte, das Leben und die Loyalität von Wang Zhengnan zu ehren, indem er die Tradition dessen Kampfkunst durch das Epitaph übermittelte.
Huang Zongxis Intention war daher nicht, mit dem Epitaph eine akkurate historische Quelle zu schaffen, sondern an einen Soldaten im Dienste der Ming-Dynastie zu erinnern.
Die kurze Passage im Epitaph über Zhang Sanfeng deutet lediglich eine damals vorhandene mündliche Überlieferung einer ‚Inneren Schule’ an, gibt jedoch keine Details über die Charakteristik dieser Tradition.
Daher ist das Epitaph von Wang Zhengnan hauptsächlich als literarischer Text zu sehen und als historische Quelle nur sehr eingeschränkt geeignet.
 

Christian Weinert hat Sinologie an der Universität Hamburg studiert.

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