Suizid im Tiber? Pietro Testa und das Geheimnis seines Todes (Folge 7) - Dr. Jana Graul - University of Hamburg
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- Zwischen Pinsel und Pranger. Ein Podcast über Kunst und Moral im Italien der Frühen Neuzeit
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18.09.2025
Suizid im Tiber? Pietro Testa und das Geheimnis seines Todes (Folge 7)
Am 1. März 1650 wird der italienische Maler und Druckgrafiker Pietro Testa tot im Tiber aufgefunden. Schnell kursiert das Gerücht, der Künstler habe sich vorsätzlich in den Fluss gestürzt, also sich das Leben genommen. Angesichts materieller Sorgen und mangelnder Anerkennung scheint diese Möglichkeit nicht gänzlich aus der Luft gegriffen. Jedoch betrachten andere, darunter auch Freunde Testas, seinen Tod als tragisches Unglück. Freitod oder Unfall? Welche Umstände haben wirklich zum mysteriösen Tod des Künstlers im Tiber geführt? Und war es im 17. Jahrhunderts überhaupt ‚erlaubt‘, sich selbst zu töten?
Die Folge geht diesen Fragen auf den Grund und verfolgt diverse Spuren zu Testas tragischem Ende. Im Mittelpunkt stehen dabei drei Biographien des Künstlers, die sein Ableben – soviel sei bereits verraten – jeweils anders darstellen. Aber warum ist das so? Und was lässt sich daraus ableiten, über das Ereignis selbst und über die Moralvorstellungen von Testas Zeitgenossen? Und: gilt die Regel der Ausnahme eigentlich auch für einen Künstler ohne mächtige Förderer?
Kurzbiographie
Der italienische Zeichner, Maler, Druckgrafiker und Schriftsteller Pietro Testa wird 1612 im toskanischen Lucca geboren. Um 1628 verlässt er seine Heimatstadt, um in Rom Malerei zu studieren. Hier absolviert er eine Ausbildung beim namhaften Maler Domenichino und zeichnet in dieser Zeit mit großem Elan und Talent die antiken Relikte der Stadt.
Der Weggang seines Meisters Domenichino aus Rom zwingt Testa schnell auf eigene Beine. Er nimmt Aufträge für Ölgemälde sowie Fresken in Rom und seiner Heimatstadt an, jedoch plagen ihn Geldsorgen. So verdient er sich v.a. mit Zeichnungen und Radierungen seinen Lebensunterhalt. Testa gilt als einer der herausragendsten und innovativsten Grafiker seiner Zeit. Er fertigt komplexe allegorische und mythologische Werke an, die von seiner intensiven Auseinandersetzung mit antiker Kunst, Literatur und Philosophie zeugen. Zudem stellt er kunsttheoretische Überlegungen an, die er in zahlreichen Notizen festhält. Eine geplante Abhandlung konnte er aufgrund seines frühen Ablebens jedoch nicht abschließen. Testa wird im Jahre 1650 tot im Tiber aufgefunden.
Links zu besprochenen Werken
Pietro Testa: Tod des Cato, um 1648, Kaltnadelradierung, Papier, 27,6 x 41,1 cm, British Museum London
https://www.britishmuseum.org/collection/object...
Weiterführende Literatur
• Albl, Stefan: Pietro Testa. Maler in Rom und Lucca (1612-1650), Wien u.a. 2021.
• Alb, Stefan: „Affectus Exprimit. Die Rolle der Affekte im Schaffen von Pietro Testa“, in: Ars – Visus – Affectus. Visuelle Kulturen des Affektiven in der Frühen Neuzeit, hrsg. v. Isabella Augart/ Anna Pawlak/ Lars Zieke Berlin/ Bosten 2016, S. 233-251.
• Buhr, Heiko: Sprich, soll denn die Natur der Tugend Eintrag tun? Studien zum Freitod im 17. und 18. Jahrhundert, Würzburg 1998.
• Cropper, Elizabeth: The Ideal of Painting. Pietro Testa's Düsseldorf Notebook, Princeton 1984.
• Minois, Georges: Geschichte des Selbstmords. Aus dem Franz. von Eva Moldenhauer, Düsseldorf/ Zürich, 1996.
• Kucher, Mirjam: Selbst aus dem Leben gehen. Wertungen des Suizids im Wandel der Zeit. Ansätze aus den Bereichen Philosophie, Soziologie, Psychologie und Pädagogik, Klagenfurt 2013.
• Pietro Testa. 1612-1650. Prints and Drawings, hrsg. v. Elizabeth Cropper, Ausst.-Kat. Philadelphia Museum of Art, Philadelphia 1988.
Quellen
• Baldinucci, Filippo: Notizie de' professori del disegno da Cimabue in qua. Opera di Filippo Baldinucci. Fiorentino. Accademico della Crusca. Con Note ed Aggiunte, Milano 1812 (= Opere di Filippo Baldinucci, Bd. 13).
• Passeri Giovanni Battista: Die Künstlerbiographien von Giovanni Passeri. Nach den Handschriften des Autors hrsg. u. m. Anm. versehen v. Jacob Hess, Leipzig 1934.
• Sandrart, Joachim von: Teutsche Academie der Bau- Bild- und Mahlerey-Künste, hrsg. v. Thomas Kirchner, Alessandro Nova, Carsten Blüm, Anna Schreurs, Torsten Wübbena, 2008-2012, in: Sandrart.net URL https://www.sandrart.net/de/ (abgerufen am 01.09.2025).
Experte
Mag. Dr. Stefan Albl ist Sammlungskurator für die Frühe Neuzeit an der Alten Galerie im Universalmuseum Joanneum in Graz. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der italienischen Malerei und Zeichnung des 17. Jahrhundert und der Wechselwirkungen von frühneuzeitlicher Kunst und Wissenschaft sowie Kunsttheorie und Philosophie. Er ist ein eingehender Kenner Pietro Testas, zu dem er die Monographie Pietro Testa. Maler in Rom und Lucca (1612-1650) von 2021 sowie zahlreiche Aufsätze verfasst hat.
Credits
Autorin der Folge: Katrin Witt, Kunstgeschichtliches Seminar der Universität Hamburg
Redaktion, wissenschaftliche Betreuung und Lektorat: Dr. Jana Graul, Kunstgeschichtliches Seminar der Universität Hamburg
Sprechende: Katrin Witt (Sprecherin), Mag. Dr. Stefan Albl (Experte), Andrea Musco (Filippo Baldinucci italienisch), Roberto Venturini (Giovanni Battista Passeri italienisch), Nicholas Vincent Elmers (Joachim von Sandrart, Filippo Baldinucci deutsch, Giovanni Battista Passeri deutsch)
Schnitt: Katrin Witt
Soundelemente und Musik: freesound.org
Grafik: Darius Wakilzadeh
Musik Intro: Tobias Hume (1569-1645), A Merry Meeting. Stefano Zanobini, Viola d’Amore. Mit freundlicher Genehmigung von NovAntiqua Records.
Weitere Informationen und Bilder zur Folge gibt es hier:
https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/podcast_z...
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Der Podcast handelt von der künstlerischen Freiheit und ihren Grenzen im Italien des 15. bis 17. Jahrhunderts. In acht Folgen werden erfolgreiche Künstlerinnen und Künstler vorgestellt, die sich nicht an die Regeln hielten und deren Lebenswandel oder Tun mit den Moralvorstellungen ihrer Zeit kollidierte, z.B. weil sie Geschlechterbilder hinterfragten, provozierten, spielsüchtig waren, neidisch, aggressiv, leidenschaftlich, gewalttätig, dem Alkoholkonsum zugeneigt oder schlichtweg, weil sie sich das Leben nahmen. Jede Folge präsentiert jeweils eine Künstlerpersönlichkeit und ein Vergehen. Wo lagen sie seinerzeit überhaupt, die Grenzen des moralisch Erlaubten? Wie streng ging man mit einem (vermeintlichen) künstlerischen 'Moralversagen' um? Traten Moralversagen und Kunstschaffen in Beziehung? Und wie sah man das damals: lassen sich Werk und Künstler trennen? „Zwischen Pinsel und Pranger“ ist ein Lehrprojekt des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg unter der Leitung von Dr. Jana Graul. Das Projekt wurde durch das Medienzentrum der Fachbereiche Sprache, Literatur, Medien I + II (Paul Voigt) und das Schreibzentrum (Dr. Mirjam Schubert) der Universität Hamburg begleitet. Unterstützt und gefördert wurde der Podcast durch die Gerda Henkel Stiftung, die Claussen-Simon-Stiftung und die Hamburg Research Academy. Redaktion: Jana Graul Idee und Konzept: Jana Graul, zusammen mit den Studierenden der Universität Hamburg Annett Beyer, Vincent Ellmers, Annika Hüther, Joana Laura Noack, Tobias Techen, Darius Wakilzadeh, Joachim H. Weihe und Katrin Lieselotte Witt Wissenschaftliche Betreuung: Jana Graul Technische Betreuung: Vincent Ellmers und Paul Voigt Ton, Technik und Schnitt: Vincent Ellmers, Sven Remer und Paul Voigt sowie die Autorinnen und Autoren der einzelnen Folgen Grafik: Darius Wakilzadeh Wissenschaftsjournalistische Beratung und Trainings: Georgios Chatzoudis und Christiane Zwick Sprecher Intro: Vincent Ellmers Musik Intro: Tobias Hume (1569-1645), A Merry Meeting. Stefano Zanobini, Viola d’Amore. Mit freundlicher Genehmigung von NovAntiqua Records. Album verfügbar auf: https://www.novantiqua.net/prodotto/A-Question-... Konzept und Herstellung Teaser: Vincent Ellmers und Annika Hüther
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Der Podcast handelt von der künstlerischen Freiheit und ihren Grenzen im Italien des 15. bis 17. Jahrhunderts. In acht Folgen werden erfolgreiche Künstlerinnen und Künstler vorgestellt, die sich nicht an die Regeln hielten und deren Lebenswandel oder Tun mit den Moralvorstellungen ihrer Zeit kollidierte, z.B. weil sie Geschlechterbilder hinterfragten, provozierten, spielsüchtig waren, neidisch, aggressiv, leidenschaftlich, gewalttätig, dem Alkoholkonsum zugeneigt oder schlichtweg, weil sie sich das Leben nahmen. Jede Folge präsentiert jeweils eine Künstlerpersönlichkeit und ein Vergehen. Wo lagen sie seinerzeit überhaupt, die Grenzen des moralisch Erlaubten? Wie streng ging man mit einem (vermeintlichen) künstlerischen 'Moralversagen' um? Traten Moralversagen und Kunstschaffen in Beziehung? Und wie sah man das damals: lassen sich Werk und Künstler trennen? „Zwischen Pinsel und Pranger“ ist ein Lehrprojekt des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg unter der Leitung von Dr. Jana Graul. Das Projekt wurde durch das Medienzentrum der Fachbereiche Sprache, Literatur, Medien I + II (Paul Voigt) und das Schreibzentrum (Dr. Mirjam Schubert) der Universität Hamburg begleitet. Unterstützt und gefördert wurde der Podcast durch die Gerda Henkel Stiftung, die Claussen-Simon-Stiftung und die Hamburg Research Academy. Redaktion: Jana Graul Idee und Konzept: Jana Graul, zusammen mit den Studierenden der Universität Hamburg Annett Beyer, Vincent Ellmers, Annika Hüther, Joana Laura Noack, Tobias Techen, Darius Wakilzadeh, Joachim H. Weihe und Katrin Lieselotte Witt Wissenschaftliche Betreuung: Jana Graul Technische Betreuung: Vincent Ellmers und Paul Voigt Ton, Technik und Schnitt: Vincent Ellmers, Sven Remer und Paul Voigt sowie die Autorinnen und Autoren der einzelnen Folgen Grafik: Darius Wakilzadeh Wissenschaftsjournalistische Beratung und Trainings: Georgios Chatzoudis und Christiane Zwick Sprecher Intro: Vincent Ellmers Musik Intro: Tobias Hume (1569-1645), A Merry Meeting. Stefano Zanobini, Viola d’Amore. Mit freundlicher Genehmigung von NovAntiqua Records. Album verfügbar auf: https://www.novantiqua.net/prodotto/A-Question-... Konzept und Herstellung Teaser: Vincent Ellmers und Annika Hüther
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