Benvenuto Cellinis „furor“ oder was Wut und Gewalt mit Kunst zu tun haben (Folge 5) - Dr. Jana Graul - University of Hamburg
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07.08.2025
Benvenuto Cellinis „furor“ oder was Wut und Gewalt mit Kunst zu tun haben (Folge 5)
Unser heutiges Bild des berühmten italienischen Bildhauers Benvenuto Cellini aus der Mitte des 16. Jahrhunderts ist von widerstreitenden Aspekten geprägt. Auf der einen Seite steht ein Künstler, der mehrere Menschen tötet und auch noch in seiner Autobiographie damit prahlt; auf der anderen einer, der großartige Kunstwerke schafft. Im Mittelpunkt dieser Folge steht das aggressive Verhalten des Bildhauers und die moralischen Fragen, die sich damit verbinden.
Wie kann es sein, dass er so offen über seine Gewaltakte spricht? Muss er sich für seine Straftaten verantworten? Nicht nur seine ausgeprägte Neigung, Probleme mit Gewalt zu lösen, soll dabei im Fokus stehen. Es geht auch um die Rahmenbedingungen, die sein Verhalten befeuern und um die Strategien, die er findet, um seine Brutalität zu rechtfertigen. Und schließlich kreist die Folge darum, wie es Cellini nach eigener Darstellung gelingt, seine zerstörerischen Neigungen in Zaum zu halten und dadurch in Kunst zu überführen.
Kurzbiographie
Benvenuto Cellini wird im Jahr 1500 in Florenz geboren und verstirbt ebenda 1571 nach einem Leben voller Höhen und Tiefen. Er arbeitet für bedeutende Auftraggeber und wird als Künstler hochgeschätzt, steht aber auch mehrfach vor Gericht und verbüßt sogar Haftstrafen. Nach einer Ausbildung in seiner Heimatstadt, geht Cellini auf Wanderschaft und tritt zunächst als Musiker in den päpstlichen Dienst, bevor er in Rom eine eigene Künstlerwerkstatt eröffnet; später ernennt Clemens VII. ihn zum Stempelmeister der päpstlichen Münzprägeanstalt.
Im Jahr 1536 folgt Cellini der Einladung von König Franz I. an den französischen Hof, wo er als Goldschmied tätig ist, bis ihn der Florentiner Herzog Cosimo I. 1545 mit der Aussicht auf eine großformatige Bronzeskulptur abwirbt – den Perseus. Dieser soll sein bedeutendstes Werk werden. Cellinis im Anschluss im Hausarrest verfasste Autobiographie, ein fesselnder Text, ist ein wichtiges Zeugnis künstlerischen Selbstverständnisses im Italien des 16. Jahrhunderts. Was allerdings die Frage nach seinem Aussehen anbelangt, so sind wir auf Mutmaßungen angewiesen; hier ist eine spätere Darstellung aus dem Jahr 1750 angefügt.
Links zu Künstler und Werk
Benvenuto Cellini (1500 – 1571) italienischer Goldschmied und Bildhauer.
https://de.wikipedia.org/wiki/Benvenuto_Cellini...
Benvenuto Cellini, Perseus und Medusa, 1545-1554, Bronze, Höhe (ohne Sockel) 320 cm, Florenz, Piazza della Signoria, Loggia dei Lanzi.
https://de.wikipedia.org/wiki/Perseus_(Benvenut...
Weiterführende Literatur
• Beyer, Andreas: Cellini. Ein Leben im Furor, Berlin 2024.
• Bredekamp, Horst: „Cellinis Kunst des perfekten Verbrechens. Drei Fälle“, in: Benvenuto Cellini. Kunst und Kunsttheorie im 16. Jahrhundert, hrsg. von Alessandro Nova/Anna Schreurs, Köln 2003, S. 337-348.
• Bredekamp, Horst: Der Künstler als Verbrecher. Ein Element der frühmodernen Rechts- und Staatstheorie, München 2008.
• Graul, Jana: Neid. Kunst, Moral und Kreativität in der Frühen Neuzeit, München 2022.
• Graul, Jana: „Kranke Künstler. Das kreative Potential körperlicher Leiden in der Frühen Neuzeit“, in: Kunst und Gebrechen, hrsg. von Hildegard Fraueneder/ Nora Grundtner, Manfred Kern, Wien 2024, S. 75-135, bes. S. 105-112.
• Kantorowicz, Ernst H.: „The Sovereignty of the Artist. A Note of Legal Maxims and Renaissance Theories of Art“, in: De Artibus Opuscula XL. Essays in Honor of Erwin Panofsky, hrsg. von Millard Meiss, New York 1961, S. 267-279.
• Magnago Lampugnani, Anna: Furor. Vorstellungen künstlerischer Eingebung in der Frühen Neuzeit, Müchen 2020.
• Plackinger, Andreas: Violenza. Gewalt als Denkfigur im michelangelesken Kunstdiskurs, Berlin/Boston 2016.
Quellen
• Cellini, Benvenuto: La Vita [ca. 1566], hrsg. von Guido Davico Bonino, Turin 1973.
• Cellini, Benvenuto: Mein Leben. Die Autobiographie eines Künstlers aus der Renaissance, hrsg. u. übers. von Jacques Laager, Zürich 2000.
Experte
Prof. Dr. Dr. h.c. Horst Bredekamp ist emeritierter Professor der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Bildersturm, Skulptur der Romanik, Kunst der Renaissance und des Manierismus, Politische Ikonographie, Kunst und Technik sowie Neue Medien. Er ist Autor des für das Podcastthema einschlägigen Buches Der Künstler als Verbrecher. Ein Element der frühmodernen Rechts- und Staatstheorie, München 2008, das sich mit der künstlerischen Sonderstellung vor dem Gesetz in der Renaissance auseinandersetzt.
Credits
Autor: Joachim H. Weihe (joachim.weihe@studium.uni-hamburg.de)
Redaktion, wissenschaftliche
Betreuung und Lektorat: Dr. Jana Graul, Kunstgeschichtliches Seminar der Universität Hamburg
Sprechende: Joachim H. Weihe (Sprecher); Prof. Dr. Horst Bredekamp (Experte); Emanuele Berkenhoff (Cellini italienisch); Vincent Ellmers (Cellini und Papst Paul III. deutsch)
Schnitt: Joachim H. Weihe
Sound: Paul Voigt
Grafik: Darius Wakilzadeh
Weitere Informationen und Bilder zur Folge gibt es hier:
https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/podcast_z...
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Der Podcast handelt von der künstlerischen Freiheit und ihren Grenzen im Italien des 15. bis 17. Jahrhunderts. In acht Folgen werden erfolgreiche Künstlerinnen und Künstler vorgestellt, die sich nicht an die Regeln hielten und deren Lebenswandel oder Tun mit den Moralvorstellungen ihrer Zeit kollidierte, z.B. weil sie Geschlechterbilder hinterfragten, provozierten, spielsüchtig waren, neidisch, aggressiv, leidenschaftlich, gewalttätig, dem Alkoholkonsum zugeneigt oder schlichtweg, weil sie sich das Leben nahmen. Jede Folge präsentiert jeweils eine Künstlerpersönlichkeit und ein Vergehen. Wo lagen sie seinerzeit überhaupt, die Grenzen des moralisch Erlaubten? Wie streng ging man mit einem (vermeintlichen) künstlerischen 'Moralversagen' um? Traten Moralversagen und Kunstschaffen in Beziehung? Und wie sah man das damals: lassen sich Werk und Künstler trennen? „Zwischen Pinsel und Pranger“ ist ein Lehrprojekt des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg unter der Leitung von Dr. Jana Graul. Das Projekt wurde durch das Medienzentrum der Fachbereiche Sprache, Literatur, Medien I + II (Paul Voigt) und das Schreibzentrum (Dr. Mirjam Schubert) der Universität Hamburg begleitet. Unterstützt und gefördert wurde der Podcast durch die Gerda Henkel Stiftung, die Claussen-Simon-Stiftung und die Hamburg Research Academy. Redaktion: Jana Graul Idee und Konzept: Jana Graul, zusammen mit den Studierenden der Universität Hamburg Annett Beyer, Vincent Ellmers, Annika Hüther, Joana Laura Noack, Tobias Techen, Darius Wakilzadeh, Joachim H. Weihe und Katrin Lieselotte Witt Wissenschaftliche Betreuung: Jana Graul Technische Betreuung: Vincent Ellmers und Paul Voigt Ton, Technik und Schnitt: Vincent Ellmers, Sven Remer und Paul Voigt sowie die Autorinnen und Autoren der einzelnen Folgen Grafik: Darius Wakilzadeh Wissenschaftsjournalistische Beratung und Trainings: Georgios Chatzoudis und Christiane Zwick Sprecher Intro: Vincent Ellmers Musik Intro: Tobias Hume (1569-1645), A Merry Meeting. Stefano Zanobini, Viola d’Amore. Mit freundlicher Genehmigung von NovAntiqua Records. Album verfügbar auf: https://www.novantiqua.net/prodotto/A-Question-... Konzept und Herstellung Teaser: Vincent Ellmers und Annika Hüther
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Der Podcast handelt von der künstlerischen Freiheit und ihren Grenzen im Italien des 15. bis 17. Jahrhunderts. In acht Folgen werden erfolgreiche Künstlerinnen und Künstler vorgestellt, die sich nicht an die Regeln hielten und deren Lebenswandel oder Tun mit den Moralvorstellungen ihrer Zeit kollidierte, z.B. weil sie Geschlechterbilder hinterfragten, provozierten, spielsüchtig waren, neidisch, aggressiv, leidenschaftlich, gewalttätig, dem Alkoholkonsum zugeneigt oder schlichtweg, weil sie sich das Leben nahmen. Jede Folge präsentiert jeweils eine Künstlerpersönlichkeit und ein Vergehen. Wo lagen sie seinerzeit überhaupt, die Grenzen des moralisch Erlaubten? Wie streng ging man mit einem (vermeintlichen) künstlerischen 'Moralversagen' um? Traten Moralversagen und Kunstschaffen in Beziehung? Und wie sah man das damals: lassen sich Werk und Künstler trennen? „Zwischen Pinsel und Pranger“ ist ein Lehrprojekt des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg unter der Leitung von Dr. Jana Graul. Das Projekt wurde durch das Medienzentrum der Fachbereiche Sprache, Literatur, Medien I + II (Paul Voigt) und das Schreibzentrum (Dr. Mirjam Schubert) der Universität Hamburg begleitet. Unterstützt und gefördert wurde der Podcast durch die Gerda Henkel Stiftung, die Claussen-Simon-Stiftung und die Hamburg Research Academy. Redaktion: Jana Graul Idee und Konzept: Jana Graul, zusammen mit den Studierenden der Universität Hamburg Annett Beyer, Vincent Ellmers, Annika Hüther, Joana Laura Noack, Tobias Techen, Darius Wakilzadeh, Joachim H. Weihe und Katrin Lieselotte Witt Wissenschaftliche Betreuung: Jana Graul Technische Betreuung: Vincent Ellmers und Paul Voigt Ton, Technik und Schnitt: Vincent Ellmers, Sven Remer und Paul Voigt sowie die Autorinnen und Autoren der einzelnen Folgen Grafik: Darius Wakilzadeh Wissenschaftsjournalistische Beratung und Trainings: Georgios Chatzoudis und Christiane Zwick Sprecher Intro: Vincent Ellmers Musik Intro: Tobias Hume (1569-1645), A Merry Meeting. Stefano Zanobini, Viola d’Amore. Mit freundlicher Genehmigung von NovAntiqua Records. Album verfügbar auf: https://www.novantiqua.net/prodotto/A-Question-... Konzept und Herstellung Teaser: Vincent Ellmers und Annika Hüther
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