Eine Frage der Ehre: Der Selbstmord des Malers Rosso Fiorentino (Folge 2) - Dr. Jana Graul - University of Hamburg
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- Zwischen Pinsel und Pranger. Ein Podcast über Kunst und Moral im Italien der Frühen Neuzeit
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05.06.2025
Eine Frage der Ehre: Der Selbstmord des Malers Rosso Fiorentino (Folge 2)
Paris, 1540: Auf der Höhe seiner Ruhmes nimmt sich der Maler Rosso Fiorentino das Leben. Suizid ist zu dieser Zeit aus Sicht der Kirche eine Todsünde und die Leichname von Slebstmördern werden geschändet. Doch für Rosso Seele wird wenige Tage nach seinem Tod eine heilige Messe in der Kathedrale Notre Dame abgehalten. Warum nimmt sich ein aus ärmlichen Verhältnissen stammender Maler das Leben, obwohl er sich als Hofkünstler des französischen Königs Franz I. künstlerischen Ruhm und finanziellen Erfolg erarbeitet hat? Und warum wird sein Selbstmord nicht als Todsünde geahndet?
Kurzbiographie
Rosso Fiorentino, eigentlich Giovanni Battista di Jacopo di Guasparre, geboren am 8. März 1495 in Florenz, war ein italienischer Maler. Sein Künstlername spielt auf Rossos rote Haarfarbe und seine Florentiner Herkunft an. In Florenz erfolgte auch seine Ausbildung bei Andrea del Sarto, der ebenfalls der Lehrmeister von Rossos Freund und späteren Biographen Giorgio Vasari war. Bis auf wenige Ausnahmen war Rosso bis 1523 in seiner Heimatstadt tätig, um ab 1524 in Rom die Werke Michelangelos und der Antike zu studieren.
Nach der Plünderung Roms durch die Truppen Karl V. im Jahr 1527, die Rosso dazu zwang, die Stadt zu verlassen, arbeitete er in Perugia, Sansepolcro, Città di Castello, Arezzo sowie Venedig und folgte schließlich der Einladung des französischen Königs Franz I. an dessen Hof in Fontainebleau. Dort wurde Rosso die Leitung sämtlicher Dekorationsarbeiten übertragen – eine Aufgabe, die ihm künstlerischen Ruhm, Einfluss und die privilegierte Stellung als Hofkünstler einbrachte. Als Hauptwerk gilt Rossos Ausstattung der Galerie Franz I. im Schloss Fontainebleau, die er zwischen 1531 und 1540 schuf. Am 14. November 1540 starb Rosso Fiorentino in Paris, mutmaßlich durch Suizid.
Weiterführende Literatur
Ciardi, Roberto Paolo, Alberto Mugnaini: Rosso Fiorentino: Catalogo completo dei dipinti, Florenz 1991.
Cordellier, Dominique: „Rosso Fiorentino, l’homme vu par Giorgio Vasari“, in: Rosso Fiorentino. Ritorno in Francia. Retour en France, hrsg. v. Monica Bietti, Florenz/Paris 2014, S. 70-74.
Kucher, Miriam: Selbst aus dem Leben gehen. Wertungen des Suizids im Wandel der Zeit. Ansätze aus den Bereichen Philosophie, Soziologie, Psychologie und Pädagogik, Diplomarbeit, Klagenfurt, 2013.
Minois, Georges: History of Suicide: Voluntary Death in Western Culture, Baltimore 2001.
Schrodi-Grimm, Renate: Die Selbstmörderin als Tugendheldin. Ein frühneuzeitliches Bildmotiv und seine Rezeptionsgeschichte, Dissertation, Georg-August-Universität Göttingen, 2009
Vasari, Giorgio: Das Leben des Rosso Fiorentino, hrsg. v. Sabine Feser, Berlin 2004.
Waldman, Louis Alexander: „The Origins and Family of Rosso Fiorentino“, in: The Burlington Magazine, 142 (Oktober 2000), S. 607-612.
Wittkower, Margot und Rudolf: Künstler – Außenseiter der Gesellschaft, Stuttgart 1989, S. 149-165.
Quellen
Guicciardini, Francesco: „Ob es lobenswert ist oder nicht, sich selbst umzubringen, um die Freiheit nicht zu verlieren oder das Vaterland nicht in Knechtschaft sinken zu sehen, und ob es ein Zeichen von Geistesgröße oder von Feigheit ist“, in: Welt der Renaissance, hrsg. v. Tobias Roth, Berlin 2020, S. 469-476.
Vasari, Giorgio: Le vite dei più eccellenti pittori, scultori e architetti (1550/1568), hrsg. v. Rosanna Bettarini/Paola Barocchi, Florenz 1966-1997.
Vasari, Giorgio: Das Leben des Rosso Fiorentino, hrsg. v. Sabine Feser, Berlin 2004.
Experten
Prof. Dr. Dr. h.c. Horst Bredekamp ist emeritierter Professor der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Bildersturm, Skulptur der Romanik, Kunst der Renaissance und des Manierismus, Politische Ikonographie, Kunst und Technik sowie Neue Medien. Er ist Autor des für das Podcastthema einschlägigen Buches Der Künstler als Verbrecher. Ein Element der frühmodernen Rechts- und Staatstheorie, München 2008, das sich mit der künstlerischen Sonderstellung vor dem Gesetz in der Renaissance auseinandersetzt.
Dr. Tobias Roth ist Literaturwissenschaftler; er wurde mit einer Studie zur Lyrik und Philosophie der italienischen Renaissance promoviert. Er arbeitet als freier Autor, Lyriker, Herausgeber und Übersetzer. Als eines der schönsten Bücher des Jahres 2020 gilt sein gehaltvolles Lesebuch Die Welt der Renaissance, Berlin 2020, das auf beeindruckende Weise den Facettenreichtum der Epoche der italienischen Renaissance einfängt.
Credits
Autor: Darius Wakilzadeh, Kunstgeschichtliches Seminar der Universität Hamburg
Redaktion, wissenschaftliche Betreuung und Lektorat: Dr. Jana Graul, Kunstgeschichtliches Seminar der Universität Hamburg
Sprecherinnen und Sprecher: Darius Wakilzadeh (Sprecher), Prof. Dr. Horst Bredekamp (Experte), Dr. Tobias Roth (Experte), Joachim H. Weihe (Vasari deutsch), Stefano Zanobini (Vasari italienisch)
Schnitt: Darius Wakilzadeh, Vincent Ellmers
Sound: Vincent Ellmers, Sven Remer
Musik: Tobias Hume (1569-1645), A Merry Meeting. Stefano Zanobini, Viola d’Amore. Mit freundlicher Genehmigung von NovAntiqua Records.
Grafik: Darius Wakilzadeh
Weitere Informationen und Bilder zur Folge gibt es hier:
https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/podcast_z...
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Der Podcast handelt von der künstlerischen Freiheit und ihren Grenzen im Italien des 15. bis 17. Jahrhunderts. In acht Folgen werden erfolgreiche Künstlerinnen und Künstler vorgestellt, die sich nicht an die Regeln hielten und deren Lebenswandel oder Tun mit den Moralvorstellungen ihrer Zeit kollidierte, z.B. weil sie Geschlechterbilder hinterfragten, provozierten, spielsüchtig waren, neidisch, aggressiv, leidenschaftlich, gewalttätig, dem Alkoholkonsum zugeneigt oder schlichtweg, weil sie sich das Leben nahmen. Jede Folge präsentiert jeweils eine Künstlerpersönlichkeit und ein Vergehen. Wo lagen sie seinerzeit überhaupt, die Grenzen des moralisch Erlaubten? Wie streng ging man mit einem (vermeintlichen) künstlerischen 'Moralversagen' um? Traten Moralversagen und Kunstschaffen in Beziehung? Und wie sah man das damals: lassen sich Werk und Künstler trennen? „Zwischen Pinsel und Pranger“ ist ein Lehrprojekt des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg unter der Leitung von Dr. Jana Graul. Das Projekt wurde durch das Medienzentrum der Fachbereiche Sprache, Literatur, Medien I + II (Paul Voigt) und das Schreibzentrum (Dr. Mirjam Schubert) der Universität Hamburg begleitet. Unterstützt und gefördert wurde der Podcast durch die Gerda Henkel Stiftung, die Claussen-Simon-Stiftung und die Hamburg Research Academy. Redaktion: Jana Graul Idee und Konzept: Jana Graul, zusammen mit den Studierenden der Universität Hamburg Annett Beyer, Vincent Ellmers, Annika Hüther, Joana Laura Noack, Tobias Techen, Darius Wakilzadeh, Joachim H. Weihe und Katrin Lieselotte Witt Wissenschaftliche Betreuung: Jana Graul Technische Betreuung: Vincent Ellmers und Paul Voigt Ton, Technik und Schnitt: Vincent Ellmers, Sven Remer und Paul Voigt sowie die Autorinnen und Autoren der einzelnen Folgen Grafik: Darius Wakilzadeh Wissenschaftsjournalistische Beratung und Trainings: Georgios Chatzoudis und Christiane Zwick Sprecher Intro: Vincent Ellmers Musik Intro: Tobias Hume (1569-1645), A Merry Meeting. Stefano Zanobini, Viola d’Amore. Mit freundlicher Genehmigung von NovAntiqua Records. Album verfügbar auf: https://www.novantiqua.net/prodotto/A-Question-... Konzept und Herstellung Teaser: Vincent Ellmers und Annika Hüther
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Der Podcast handelt von der künstlerischen Freiheit und ihren Grenzen im Italien des 15. bis 17. Jahrhunderts. In acht Folgen werden erfolgreiche Künstlerinnen und Künstler vorgestellt, die sich nicht an die Regeln hielten und deren Lebenswandel oder Tun mit den Moralvorstellungen ihrer Zeit kollidierte, z.B. weil sie Geschlechterbilder hinterfragten, provozierten, spielsüchtig waren, neidisch, aggressiv, leidenschaftlich, gewalttätig, dem Alkoholkonsum zugeneigt oder schlichtweg, weil sie sich das Leben nahmen. Jede Folge präsentiert jeweils eine Künstlerpersönlichkeit und ein Vergehen. Wo lagen sie seinerzeit überhaupt, die Grenzen des moralisch Erlaubten? Wie streng ging man mit einem (vermeintlichen) künstlerischen 'Moralversagen' um? Traten Moralversagen und Kunstschaffen in Beziehung? Und wie sah man das damals: lassen sich Werk und Künstler trennen? „Zwischen Pinsel und Pranger“ ist ein Lehrprojekt des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg unter der Leitung von Dr. Jana Graul. Das Projekt wurde durch das Medienzentrum der Fachbereiche Sprache, Literatur, Medien I + II (Paul Voigt) und das Schreibzentrum (Dr. Mirjam Schubert) der Universität Hamburg begleitet. Unterstützt und gefördert wurde der Podcast durch die Gerda Henkel Stiftung, die Claussen-Simon-Stiftung und die Hamburg Research Academy. Redaktion: Jana Graul Idee und Konzept: Jana Graul, zusammen mit den Studierenden der Universität Hamburg Annett Beyer, Vincent Ellmers, Annika Hüther, Joana Laura Noack, Tobias Techen, Darius Wakilzadeh, Joachim H. Weihe und Katrin Lieselotte Witt Wissenschaftliche Betreuung: Jana Graul Technische Betreuung: Vincent Ellmers und Paul Voigt Ton, Technik und Schnitt: Vincent Ellmers, Sven Remer und Paul Voigt sowie die Autorinnen und Autoren der einzelnen Folgen Grafik: Darius Wakilzadeh Wissenschaftsjournalistische Beratung und Trainings: Georgios Chatzoudis und Christiane Zwick Sprecher Intro: Vincent Ellmers Musik Intro: Tobias Hume (1569-1645), A Merry Meeting. Stefano Zanobini, Viola d’Amore. Mit freundlicher Genehmigung von NovAntiqua Records. Album verfügbar auf: https://www.novantiqua.net/prodotto/A-Question-... Konzept und Herstellung Teaser: Vincent Ellmers und Annika Hüther
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