Frech & Frevelhaft. Der selbsternannte "Sodomit" Giovanni Antonio Bazzi (Folge 1) - Dr. Jana Graul - University of Hamburg
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18.05.2025
Frech & Frevelhaft. Der selbsternannte "Sodomit" Giovanni Antonio Bazzi (Folge 1)
Ein Künstler, der sich selbst „der Sodomit“ nennt – ausgerechnet in der italienischen Renaissance? Was wie ein Skandal klingt, war tatsächlich ein Statement – provokant, verspielt und - queer? Giovanni Antonio Bazzi, genannt Il Sodoma, war ein Meister der Selbstinszenierung. Zwischen Pferderennen, Fresken und tierischen Begleitern hinterfragt er mit Witz und Stil gängige Männlichkeitsbilder. Dies bleibt allerdings nicht kritisiert. Vor allem der Künstlerbiograph Vasari hat zu Sodomas Lebensweise und deshalb auch zu seiner Kunst eine klare Meinung. Diese Folge taucht ein in die Welt der italienischen Hochrenaissance, wo gleichgeschlechtliches Begehren sichtbar – und zugleich verfolgt – war.
Kurzbiographie
Giovanni Antonio Bazzi wurde um 1477 in Vercelli geboren. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er vermutlich in der lombardischen Schule, bevor er um 1501 nach Siena übersiedelte. Dort etablierte er sich rasch als einer der führenden Maler der Region. Ab 1508 war er in Rom tätig, wo er unter anderem an der Ausmalung der Villa Farnesina mitwirkte und Aufträge im Vatikan erhielt. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen die Fresken im Kloster Monte Oliveto Maggiore in Asciano (1497-1506), in der Villa Farnesina in Rom (1519) sowie in der Kirche San Francesco in Siena (1510).
Bazzi wurde 1515 von Papst Leo X. zum Ritter geschlagen. In der Folge war er überwiegend in Siena tätig, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1549 eine produktive Werkstatt führte. Sein künstlerisches Œuvre umfasst religiöse wie mythologische Themen und ist geprägt von Einflüssen der oberitalienischen und römischen Hochrenaissance. Der Beiname Il Sodoma, unter dem er bereits zu Lebzeiten bekannt war, ist historisch belegt; seine Herkunft und Bedeutung in der zeitgenössischen Wahrnehmung sind jedoch umstritten.
Weiterführende Literatur
- Bartalini, Roberto, Alessia Zombardo: Giovanni Antonio Bazzi, il Sodoma: fonti documentarie e letterarie, Vercelli 2012.
- Lemelsen, Katja, „Einleitung zum Leben des Sodoma“, in: Giorgio Vasari. Sodoma und Beccafumi. Neu übersetzt und kommentiert, hrsg. v. Feser, Sabine; Burioni, Matteo; Lemelsen, Katja, Berlin 2006, S. 7-10.
- Lemelsen, Katja, Anmerkungen zum Leben des Sodoma, in: Giorgio Vasari. Sodoma und Beccafumi. Neu übersetzt und kommentiert, hrsg. v. Sabine Feser, Matteo Burioni, Katja Lemelsen, Berlin 2006, S. 75-97.
- Klinkert, Thomas: „Gleichgeschlechtliche Liebe ׀ Sodomie“, in: Liebessemantik: frühneuzeitliche Darstellungen von Liebe in Italien und Frankreich, hrsg. v. Kirstin Dickhaut, Wiesbaden 2014, S. 477-516.
- Kondziella, Martha: Sodoma: die Tafel- und Leinwandbilder, Merzhausen 2023.
- Pfisterer, Ulrich: Lysippus und seine Freunde: Liebesgaben und Gedächtnis im Rom der Renaissance oder Das erste Jahrhundert der Medaille, Berlin 2008.
- Saslow, James M.: “Gianantonio Bazzi, called ‘il Sodoma’. Homosexuality in art, life and history”, in: Sex, Gender and Sexuality in Renaissance Italy, hrsg. v. Jacqueline Murray, Nicholas Terpstra, London/New York 2019, S. 183-210.
Quellen
- Accademia della Crusca „Somddomia“, in: Vocabolario degli Accademici della Crusca, Florenz, 1691, S. 1542.
- Bartalini, Roberto, Alessia Zombardo: Giovanni Antonio Bazzi, il Sodoma: fonti documentarie e letterarie, Vercelli 2012.
- Vasari, Giorgio: Le vite dei più eccellenti pittori, scultori e architetti, hrsg. v. Bettarini, Rosanna/ Barocchi, Paola, Firenze, 1966-1997.
- Vasari, Giorgio: „Das Leben des Malers Giovan Antonio, genannt Sodoma aus Vercelli“, in: Giorgio Vasari. Sodoma und Beccafumi. Neu übersetzt und kommentiert, hrsg. v. Sabine Feser; Matteo Burioni; Katja Lemelsen, Berlin 2006, S. 11-42.
Expert:innen
Dr. Nicolas Maniu ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Museum Brandhorst in München. Sein Forschungsfeld ist die queere Kunstgeschichte mit Fokus auf Männlichkeitsbilder, Bildpolitik der Frühen Neuzeit, Geschlechtertheorie, Sexualitätsdiskurse und visuelle Repräsentationen. Er ist Autor des Buches Queere Männlichkeiten: Bilderwelten männlich-männlichen Begehrens und queerer Geschlechtlichkeit, Bielefeld 2023.
Credits
Autorin der Folge: Annika Hüther (annika.huether@uni-hamburg.de)
Redaktion, wissenschaftliche Betreuung und Lektorat: Dr. Jana Graul
Sprecherinnen und Sprecher: Annika Hüther (Sprecherin), Dr. Nicolas Maniu (Experte), Joachim H. Weihe (Vasari deutsch), Stefano Zanobini (Vasari italienisch), Vincent Ellmers (Hörspielelemente), Giuseppe Rossi (Definition Crusca)
Hörspielelemente: Miskatonic Theaterensemble
Schnitt und Sound: Vincent Ellmers
Musik: Tobias Hume (1569-1645), A Merry Meeting. Stefano Zanobini, Viola d’Amore. Mit freundlicher Genehmigung von NovAntiqua Records. Album verfügbar auf: https://www.novantiqua.net/prodotto/A-Question-...
Ton: Travel with the strings, younoise, pixabay https://pixabay.com/de/sound-effects/travel-wit...
Grafik: Darius Wakilzadeh
Weitere Informationen und Bilder zur Folge gibt es hier:
https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/podcast_z...
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Der Podcast handelt von der künstlerischen Freiheit und ihren Grenzen im Italien des 15. bis 17. Jahrhunderts. In acht Folgen werden erfolgreiche Künstlerinnen und Künstler vorgestellt, die sich nicht an die Regeln hielten und deren Lebenswandel oder Tun mit den Moralvorstellungen ihrer Zeit kollidierte, z.B. weil sie Geschlechterbilder hinterfragten, provozierten, spielsüchtig waren, neidisch, aggressiv, leidenschaftlich, gewalttätig, dem Alkoholkonsum zugeneigt oder schlichtweg, weil sie sich das Leben nahmen. Jede Folge präsentiert jeweils eine Künstlerpersönlichkeit und ein Vergehen. Wo lagen sie seinerzeit überhaupt, die Grenzen des moralisch Erlaubten? Wie streng ging man mit einem (vermeintlichen) künstlerischen 'Moralversagen' um? Traten Moralversagen und Kunstschaffen in Beziehung? Und wie sah man das damals: lassen sich Werk und Künstler trennen? „Zwischen Pinsel und Pranger“ ist ein Lehrprojekt des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg unter der Leitung von Dr. Jana Graul. Das Projekt wurde durch das Medienzentrum der Fachbereiche Sprache, Literatur, Medien I + II (Paul Voigt) und das Schreibzentrum (Dr. Mirjam Schubert) der Universität Hamburg begleitet. Unterstützt und gefördert wurde der Podcast durch die Gerda Henkel Stiftung, die Claussen-Simon-Stiftung und die Hamburg Research Academy. Redaktion: Jana Graul Idee und Konzept: Jana Graul, zusammen mit den Studierenden der Universität Hamburg Annett Beyer, Vincent Ellmers, Annika Hüther, Joana Laura Noack, Tobias Techen, Darius Wakilzadeh, Joachim H. Weihe und Katrin Lieselotte Witt Wissenschaftliche Betreuung: Jana Graul Technische Betreuung: Vincent Ellmers und Paul Voigt Ton, Technik und Schnitt: Vincent Ellmers, Sven Remer und Paul Voigt sowie die Autorinnen und Autoren der einzelnen Folgen Grafik: Darius Wakilzadeh Wissenschaftsjournalistische Beratung und Trainings: Georgios Chatzoudis und Christiane Zwick Sprecher Intro: Vincent Ellmers Musik Intro: Tobias Hume (1569-1645), A Merry Meeting. Stefano Zanobini, Viola d’Amore. Mit freundlicher Genehmigung von NovAntiqua Records. Album verfügbar auf: https://www.novantiqua.net/prodotto/A-Question-... Konzept und Herstellung Teaser: Vincent Ellmers und Annika Hüther
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Der Podcast handelt von der künstlerischen Freiheit und ihren Grenzen im Italien des 15. bis 17. Jahrhunderts. In acht Folgen werden erfolgreiche Künstlerinnen und Künstler vorgestellt, die sich nicht an die Regeln hielten und deren Lebenswandel oder Tun mit den Moralvorstellungen ihrer Zeit kollidierte, z.B. weil sie Geschlechterbilder hinterfragten, provozierten, spielsüchtig waren, neidisch, aggressiv, leidenschaftlich, gewalttätig, dem Alkoholkonsum zugeneigt oder schlichtweg, weil sie sich das Leben nahmen. Jede Folge präsentiert jeweils eine Künstlerpersönlichkeit und ein Vergehen. Wo lagen sie seinerzeit überhaupt, die Grenzen des moralisch Erlaubten? Wie streng ging man mit einem (vermeintlichen) künstlerischen 'Moralversagen' um? Traten Moralversagen und Kunstschaffen in Beziehung? Und wie sah man das damals: lassen sich Werk und Künstler trennen? „Zwischen Pinsel und Pranger“ ist ein Lehrprojekt des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg unter der Leitung von Dr. Jana Graul. Das Projekt wurde durch das Medienzentrum der Fachbereiche Sprache, Literatur, Medien I + II (Paul Voigt) und das Schreibzentrum (Dr. Mirjam Schubert) der Universität Hamburg begleitet. Unterstützt und gefördert wurde der Podcast durch die Gerda Henkel Stiftung, die Claussen-Simon-Stiftung und die Hamburg Research Academy. Redaktion: Jana Graul Idee und Konzept: Jana Graul, zusammen mit den Studierenden der Universität Hamburg Annett Beyer, Vincent Ellmers, Annika Hüther, Joana Laura Noack, Tobias Techen, Darius Wakilzadeh, Joachim H. Weihe und Katrin Lieselotte Witt Wissenschaftliche Betreuung: Jana Graul Technische Betreuung: Vincent Ellmers und Paul Voigt Ton, Technik und Schnitt: Vincent Ellmers, Sven Remer und Paul Voigt sowie die Autorinnen und Autoren der einzelnen Folgen Grafik: Darius Wakilzadeh Wissenschaftsjournalistische Beratung und Trainings: Georgios Chatzoudis und Christiane Zwick Sprecher Intro: Vincent Ellmers Musik Intro: Tobias Hume (1569-1645), A Merry Meeting. Stefano Zanobini, Viola d’Amore. Mit freundlicher Genehmigung von NovAntiqua Records. Album verfügbar auf: https://www.novantiqua.net/prodotto/A-Question-... Konzept und Herstellung Teaser: Vincent Ellmers und Annika Hüther
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