Guido Reni – der Malerfürst und das Glücksspiel (Folge 6) - Dr. Jana Graul - University of Hamburg
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21.08.2025
Guido Reni – der Malerfürst und das Glücksspiel (Folge 6)
Der Künstler Guido Reni ist einer der erfolgreichsten Maler des 17. Jahrhunderts. Nicht nur in Italien, sondern auch beim europäischen Adel sind seine Bilder sehr begehrt. Er arbeitet am päpstlichen Hof und stilisiert sich zum ‚göttlicher‘ Künstler und Malerfürst. Aber Reni hat auch ein Laster. Er ist dem Glücksspiel verfallen. Seine Spielsucht begleitet ihn weite Teile seines Lebens und ist letztendlich sein sozialer Ruin. Ein göttlicher Künstler, der zockt? Wie passt das zusammen?
Wie Ihr sehen werdet, vereint Reni noch eine ganze Menge weiterer Widersprüche auf sich. So ist er einerseits ein äußerst erfolgreicher frühkapitalistischer Unternehmer, der es schafft, seine Kundschaft davon zu überzeugen, dass seine Werke jeden Preis wert sind. Doch gibt er andererseits sein Geld sofort mit vollen Händen wieder aus, indem er es entweder großzügig spendet oder eben verspielt. Auf Ausbeutung reagiert er allergisch und ist im selben Moment sehr fromm. Die Folge ergründet, woher wir heute überhaupt von Renis Laster wissen, wie seine Auftraggebenden mit diesem umgehen und inwieweit sich die Spielsucht auf das Schaffen des Malers auswirkt.
Kurzbiografie
Guido Reni wurde 1575 in Bologna geboren und starb 1642 ebenda. Er lernte in seiner Heimatstadt zunächst bei Denis Calvaert, bevor er sich der Akademie der Carracci anschloss. Im Jahr 1600 ging er nach Rom, wo er schnell Kardinäle als Auftraggeber gewinnen konnte. Seine wichtigsten Gönner waren Kardinal Scipione Borghese und dessen Onkel, Papst Paul V., von denen er ab 1608 prestigeträchtige Kommissionen erhielt, u.a. im Vatikan- und im Quirinalspalast sowie in der Papstbasilika Santa Maria Maggiore.
Das letztgenannte Projekt von 1610 unterbrach er allerdings im Streit mit dem Schatzmeister der Kirche und kehrte eine Zeitlang nicht nur Rom, sondern auch der Malerei den Rücken zu, stieg dann aber wieder ein und vollendete die zuvor unterbrochene Kapellendekoration. Wiederum für Scipione Borghese führte er 1614 in Rom ein Deckenfresko mit dem mythologischen Sujet der Aurora aus, das heute zu seinen bedeutendsten Werken zählt.
Im Anschluss ging Reni zurück nach Bologna, wo er abgesehen von kürzeren Aufenthalten in Neapel und Rom bis zu seinem Lebensende blieb und sich eine große, sehr erfolgreiche Werkstatt aufbaute, die Aufträge aus ganz Italien und Europa ausführte. Obwohl seine Werke reißenden Absatz fanden, starb er 1642 hochverschuldet.
Link zum Werk:
Guido Reni, Aurora, 1612-14, Fresko, 280 x 700 cm, Rom, Palazzo Pallavicini Rospigliosi, Casino dell‘Aurora
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/...
Weiterführende Literatur
• Ebert-Schifferer, Sybille: „Der Künstler, ein Fürst. Guido Renis Karriere zwischen Selbststilisierung und Spielsucht“, in: Guido Reni. Der Göttliche, Ausst.-Kat., Städel Museum Frankfurt am Main, Frankfurt 2022, S. 40-51.
• Fehrenbach, Frank: Quasi vivo. Lebendigkeit in der italienischen Kunst der Frühen Neuzeit, Berlin-Boston 2021.
• Guido Reni und Europa. Ruhm und Nachruhm, hrsg. v. Sybille Ebert-Schifferer u. Andrea Emiliani, Ausst.-Kat., Schirn-Kunsthalle, Frankfurt 1988.
• Guido Reni. Der Göttliche, hrsg. v. Bastian Eclercy, Ausst.-Kat., Städel-Museum Frankfurt, Berlin 2022.
• Pericolo, Lorenzo: „Beyond Perfection. Guido Reni abd Malvasia’s Fourth Age of Painting“, in: Malvasia 2019, Bd. 2, S. 1-132.
• Spear, Ricard E.: The „Divine“ Guido. Religion, Sex, Money and Art in the World of Guido Reni, New Haven/ London 1997.
Quellen
• Bellori, Giovan Pietro: Le vite de‘ pittori, scultori e architetti moderni, hrsg. v. Evelina Borea, 2Bde., Turin 2009 (1. Aufl. 1976).
• Malvasia, Carlo Cesare: Felsina pittrice. Vite de‘ pittori bolognesi, 2 Bde., Bologna 1678.
• Malvasia, Carlo Cesare: Felsina Pittrice. Lives of the Bolognese, Bd. 9: The Life of Guido Reni, hrsg. v. Elisabeth Cropper u. Lorenzo Pericolo, 2 Bde., London/Turnhout 2019.
Expertinnen und Experten
Prof. Dr. Sibylle Ebert-Schifferer ist Kunsthistorikerin. Bis zu ihrer Emeritierung 2018 war sie Direktorin der Bibliotheca Hertziana-Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte in Rom; zuvor u.a. Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte liegt im Bereich der italienischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts und hier speziell auf der Malerei in Rom im Zeitraum 1580-1630. In diesem Kontext hat sie sich eingehend mit Guido Reni auseinandergesetzt, darunter im Katalog der von ihr mitkuratierten Ausstellung Guido Reni und Europa. Ruhm und Nachruhm, die 1988-89 in der Schirn-Kunsthalle in Frankfurt zu sehen war. Für die Fragestellung der Podcastfolge ist ihr jüngerer Essay zu Guido Renis Karriere zwischen Selbststilisierung und Spielsucht von 2022 von besonderer Relevanz.
Prof. Dr. Frank Fehrenbach ist Professor für Kunstgeschichte der italienischen Renaissance und des Barock am Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg. Seit 2019 ist er Co-Sprecher der DGF-Kollegforschungsgruppe Imaginarien der Kraft. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Beziehungen zwischen Kunst, Naturphilosophie und Naturwissenschaften. Aktuell erforscht er die „Kraft“ als ästhetische Kategorie und arbeitet zu Leonardo da Vinci. In seinem Buch Quasi vivo. Lebendigkeit in der italienischen Kunst der Frühen Neuzeit, Berlin-Boston 2021 hat er sich mit dem Topos der Lebendigkeit im Kunstdiskurs auseinandergesetzt.
Credits
Autorin: Annett Beyer, Kunstgeschichtliches Seminar der Universität Hamburg (annett.beyer@studium.uni-hamburg.de)
Redaktion, wissenschaftliche Betreuung und Lektorat: Dr. Jana Graul, Kunstgeschichtliches Seminar der Universität Hamburg
Sprechende: Annett Beyer (Sprecherin), Prof. Dr. Sibylle Ebert-Schifferer (Expertin); Prof. Dr. Frank Fehrenbach (Experte); Martin Beyer (Malvasia deutsch); Vincent Nicholas Ellmers (Urban VIII. deutsch); Alessandro Volpe (Malvasia italienisch u. Urban VIII.)
Schnitt und Sound: Vincent Nicholas Ellmers, Paul Voigt
Musik Intro/ Outro: Tobias Hume (1569-1645), A Merry Meeting. Stefano Zanobini, Viola d’Amore. Mit freundlicher Genehmigung von NovAntiqua Records. Album verfügbar..
Grafik: Darius Wakilzadeh
Weitere Informationen und Bilder zur Folge gibt es hier:
https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/podcast_z...
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Der Podcast handelt von der künstlerischen Freiheit und ihren Grenzen im Italien des 15. bis 17. Jahrhunderts. In acht Folgen werden erfolgreiche Künstlerinnen und Künstler vorgestellt, die sich nicht an die Regeln hielten und deren Lebenswandel oder Tun mit den Moralvorstellungen ihrer Zeit kollidierte, z.B. weil sie Geschlechterbilder hinterfragten, provozierten, spielsüchtig waren, neidisch, aggressiv, leidenschaftlich, gewalttätig, dem Alkoholkonsum zugeneigt oder schlichtweg, weil sie sich das Leben nahmen. Jede Folge präsentiert jeweils eine Künstlerpersönlichkeit und ein Vergehen. Wo lagen sie seinerzeit überhaupt, die Grenzen des moralisch Erlaubten? Wie streng ging man mit einem (vermeintlichen) künstlerischen 'Moralversagen' um? Traten Moralversagen und Kunstschaffen in Beziehung? Und wie sah man das damals: lassen sich Werk und Künstler trennen? „Zwischen Pinsel und Pranger“ ist ein Lehrprojekt des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg unter der Leitung von Dr. Jana Graul. Das Projekt wurde durch das Medienzentrum der Fachbereiche Sprache, Literatur, Medien I + II (Paul Voigt) und das Schreibzentrum (Dr. Mirjam Schubert) der Universität Hamburg begleitet. Unterstützt und gefördert wurde der Podcast durch die Gerda Henkel Stiftung, die Claussen-Simon-Stiftung und die Hamburg Research Academy. Redaktion: Jana Graul Idee und Konzept: Jana Graul, zusammen mit den Studierenden der Universität Hamburg Annett Beyer, Vincent Ellmers, Annika Hüther, Joana Laura Noack, Tobias Techen, Darius Wakilzadeh, Joachim H. Weihe und Katrin Lieselotte Witt Wissenschaftliche Betreuung: Jana Graul Technische Betreuung: Vincent Ellmers und Paul Voigt Ton, Technik und Schnitt: Vincent Ellmers, Sven Remer und Paul Voigt sowie die Autorinnen und Autoren der einzelnen Folgen Grafik: Darius Wakilzadeh Wissenschaftsjournalistische Beratung und Trainings: Georgios Chatzoudis und Christiane Zwick Sprecher Intro: Vincent Ellmers Musik Intro: Tobias Hume (1569-1645), A Merry Meeting. Stefano Zanobini, Viola d’Amore. Mit freundlicher Genehmigung von NovAntiqua Records. Album verfügbar auf: https://www.novantiqua.net/prodotto/A-Question-... Konzept und Herstellung Teaser: Vincent Ellmers und Annika Hüther
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Der Podcast handelt von der künstlerischen Freiheit und ihren Grenzen im Italien des 15. bis 17. Jahrhunderts. In acht Folgen werden erfolgreiche Künstlerinnen und Künstler vorgestellt, die sich nicht an die Regeln hielten und deren Lebenswandel oder Tun mit den Moralvorstellungen ihrer Zeit kollidierte, z.B. weil sie Geschlechterbilder hinterfragten, provozierten, spielsüchtig waren, neidisch, aggressiv, leidenschaftlich, gewalttätig, dem Alkoholkonsum zugeneigt oder schlichtweg, weil sie sich das Leben nahmen. Jede Folge präsentiert jeweils eine Künstlerpersönlichkeit und ein Vergehen. Wo lagen sie seinerzeit überhaupt, die Grenzen des moralisch Erlaubten? Wie streng ging man mit einem (vermeintlichen) künstlerischen 'Moralversagen' um? Traten Moralversagen und Kunstschaffen in Beziehung? Und wie sah man das damals: lassen sich Werk und Künstler trennen? „Zwischen Pinsel und Pranger“ ist ein Lehrprojekt des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg unter der Leitung von Dr. Jana Graul. Das Projekt wurde durch das Medienzentrum der Fachbereiche Sprache, Literatur, Medien I + II (Paul Voigt) und das Schreibzentrum (Dr. Mirjam Schubert) der Universität Hamburg begleitet. Unterstützt und gefördert wurde der Podcast durch die Gerda Henkel Stiftung, die Claussen-Simon-Stiftung und die Hamburg Research Academy. Redaktion: Jana Graul Idee und Konzept: Jana Graul, zusammen mit den Studierenden der Universität Hamburg Annett Beyer, Vincent Ellmers, Annika Hüther, Joana Laura Noack, Tobias Techen, Darius Wakilzadeh, Joachim H. Weihe und Katrin Lieselotte Witt Wissenschaftliche Betreuung: Jana Graul Technische Betreuung: Vincent Ellmers und Paul Voigt Ton, Technik und Schnitt: Vincent Ellmers, Sven Remer und Paul Voigt sowie die Autorinnen und Autoren der einzelnen Folgen Grafik: Darius Wakilzadeh Wissenschaftsjournalistische Beratung und Trainings: Georgios Chatzoudis und Christiane Zwick Sprecher Intro: Vincent Ellmers Musik Intro: Tobias Hume (1569-1645), A Merry Meeting. Stefano Zanobini, Viola d’Amore. Mit freundlicher Genehmigung von NovAntiqua Records. Album verfügbar auf: https://www.novantiqua.net/prodotto/A-Question-... Konzept und Herstellung Teaser: Vincent Ellmers und Annika Hüther
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