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Malicia - Die List in der Capoeira Angola

Karl Michaelis
20.09.2012
Symposium für Kampfkunst und Kampfsport Hamburg 2012(WiSe 12/13)

Hintergrund
Das Kampftanzspiel Capoeira wurde vom Zeitpunkt der ersten dokumentierten Benennung bis heute mehrmals illegalisiert und war ein Teil des subversiven Widerstands gegen die Unterdrückung in den jeweiligen politischen Systemen Brasiliens. In diesem Klima entstand eine spezifische Eigenschaft, die malícia, die prägend für das Spiel der Capoeira ist. Malícia kann als ein Umgang mit der Logik der Herrschenden durch den Austausch des Präferenzwertes auf der markierten Seite der Differenzierung zwischen „gut“ und „schlecht“ bezeichnet werden. Diese Verschiebung des Präferenzwertes von vermeintlich „gut“ zu vermeintlich „schlecht“ spiegelt sich in der Praxis wieder. „Soziale Normen wurden auf den Kopf gestellt, wenn etwa Hinterlist (malícia) und Verrat (traição) als positive Qualitäten angesehen werden, die es dem Spieler ermöglichen, seinen Gegner zu überraschen.“ (Röhrig Assunção,1999, S.15). Dem Konzept der malícia vorgelagert liegt im traditionellen Stil der Capoeira Angola das Prinzip der vadiação (Vagantentum), das ein Spiel um des Spielens willens beinhaltet. In der vadiação geht es um List ebenso wie Eleganz, aber ein eindeutiger Gewinner oder Verlierer wird nicht definiert. Eine Frage die sich hier stellt, ist, wie kann ein Spiel gedacht werden, wenn die Differenz von „gewinnen“ und „verlieren“ nicht hergestellt wird? Mit dieser Frage kann ein drittes, afro-brasilianisches Feld neben denen der westlichen und chinesischen Ideen von handlungsleitender Wirksamkeit eröffnet werden.
Tagungsbeitrag
Auf der Jahrestagung Kampfkunst und Kampfsport in Lehre und Forschung 2012 wird die malícia in einem Vortrag beschrieben und die hypothetische Eröffnung des beschriebenen dritten Feldes von afro-brasilianischer Wirksamkeit besprochen. Hierbei wird zunächst eine Beschreibung der Form von Capoeira Angola vorgenommen um anschließend das intuitive Konzept der malícia zu ergründen.

Karl Michaelis studiert Bewegungswissenschaft an der Universität Hamburg.

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